„Terror“-Motorradlärm: Bundesrat plant Schlag gegen Lautstärke - Protestfahrten geplant

„Terror für Gäste und Bevölkerung“: Manche Motorradfahrer geben gerne Gas. Viele Kommunen wollen das nicht mehr hinnehmen - es drohen drastische Maßnahmen.

Ähnlich wie in Tirol könnten hierzulande laute Motorräder bald mit einem Fahrverbot belegt werden.

Bei gravierenden Lärmüberschreitungen droht motorisierten Zweirädern dann sogar die Beschlagnahmung. Verkehrsminister Scheuer ist von dem Vorhaben nicht angetan - einige bayerische Bezirke jedoch ziemlich.

 

Update vom 22. Juni 2020: Obwohl sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereits gegen weitere Verbote für Motorradfahrer ausgesprochen hat, steigt der Druck auf Fahrer und Hersteller: In Österreich dürfen Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel seit 10. Juni auf fünf Streckenabschnitten in Tirol nicht mehr fahren - egal, wie laut sie während der Fahrt wirklich sind.

 

Unabhängig von Dezibel-Werten waren in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Motorradfahrer (BVDM) zudem schon Ende Februar 157 Strecken für Motorradfahrer in der Nacht, an Sonn- und Feiertagen oder komplett gesperrt. Am 4. Juli wollen mehrere Veranstalter nun mit Protestfahrten gegen weitere Verbote demonstrieren, unter anderem am Bodensee und auf dem Mittleren Ring in München.

 

Dass es an beliebten Biker-Strecken auch anders gehen kann, zeigt ein Beispiel aus Niederbayern. Dort stellt die Polizei in Sankt Englmar (Landkreis Straubing-Bogen) jedes Jahr Lärmdisplays auf, die zu laute Motorradfahrer auffordern, leiser zu fahren. In einem Modellversuch 2017 sank der durchschnittliche Schalldruckpegel dadurch nach Angaben des Bayerischen Polizeiverwaltungsamts von knapp 81 auf 76,2 Dezibel. „Das ist spürbar“, sagt Bürgermeister Anton Piermeier (CSU). „Fahrverbote brauchen wir nicht, weil wir damit auch die vernünftigen Fahrer bestrafen würden.“ Entscheidend seien regelmäßige Kontrollen.

 

„Terror“-Motorradlärm: Verband kritisiert Forderungen des Bundesrats

„Unfachlich, unspezifisch und populistisch“: Der Industrie-Verband Motorrad Deutschland hat die Forderungen des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm scharf kritisiert. Viele Vorschläge seien entweder schon umsetzbar oder realitätsfremd, sagte ein Sprecher des Verbands. „Dinge, die schon erfüllt sind, noch einmal zu fordern, ist für mich Populismus.“

Die vorgeschlagene pauschale Lärmgrenze von 80 Dezibel für neue Motorräder sei willkürlich gewählt: „Die meisten Rasenmäher und Laubbläser sind lauter.“ Dennoch beobachte der Verband die gesellschaftliche Debatte. Wenn eine Mehrheit der Kunden leisere Motorräder fordere, werde man sich danach richten, sagte der Sprecher. Bisher sei ein solcher Trend aber nicht erkennbar.

„Terror“-Motorradlärm: Bundesrat plant Schlag gegen Lautstärke - Biker fordern nun Erstaunliches

 

Update vom 12. Juni 2020: Motorrad-Geknatter empfinden viele Menschen in Deutschland als „Terror“ - deshalb will der Bundesrat Wochenendfahrverbote ermöglichen (siehe unten). Eine Idee, die - wenig überraschend - den Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) alarmiert. Die Vereinigung hat sich jetzt zu Wort gemeldet. Allerdings mit einer Forderung, die so einige Beobachter erstaunen dürfte.

Denn der BVDM nimmt in einem offenen Brief nicht etwa die verbotswilligen Bundesländer ins Gebet. Sondern „die führenden Motorradhersteller“. Der Verband fordert die Motorradindustrie in dem Schreiben auf, „freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind“.

„Leisere Maschinen sind nicht nur im Interesse von Anwohnern und Motorradfahrern, sondern auch im längerfristigen Eigeninteresse der Industrie“, meinen BVDM-Chef Michael Lenzen. „Wenn es zu immer mehr Einschränkungen wie Streckensperrungen kommt, sinkt die Attraktivität des Motorrads deutlich und es lassen sich damit weniger Motorräder verkaufen.“

Ebenfalls interessant: Dass Motorradfahrer „laute Maschinen fordern“, verweist der Verband ins Reich der Fabel. Im Gespräch mit den Bikern habe man „das Gegenteil“ erfahren. Der Klang sei zwar wichtig, werde für die meisten Motorradfahrer „aber nicht besser, wenn er laut ist“. Viele nähmen die Lautstärke nur hin, weil sie sonst auf den Kauf ganz verzichten müssten, so die These.

„Terror für Gäste und Bevölkerung“: Bundesrat plant extreme Änderung für Motorradfahrer

 

Erstmeldung vom 9. Juni 2020: Berlin/München - Viele Kommunen in Bayern beklagen immer lauteren Motorradlärm. Im benachbarten Tirol geht am Mittwoch eine Verordnung in Kraft, wonach Motorräder, die laut Zulassung lauter als 95 Dezibel sind, nicht mehr durch das Außerfern fahren dürfen. Der deutsche Bundesrat will noch weiter gehen: Die Geräusch-Emission neu zugelassener Zweiräder soll auf 80 Dezibel begrenzt werden. Die Polizei soll Motorräder bei gravierenden Lärmüberschreitungen beschlagnahmen dürfen. Vor allem plant die Länderkammer ein Wochenendfahrverbot! Es gäbe dringenden Handlungsbedarf für „zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen“, heißt es in ihrem Beschluss, den nun der Bundestag beraten muss. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnte das Vorhaben aber ab.

Motorrad-Fahrverbot in Bayern? Vielerorts Klagen über Lärmbelästigung

In Oberbayern gibt es seit langem Klagen über Motorradlärm, etwa am Sudelfeld*. Der Bayrischzeller Bürgermeister Georg Kittenrainer meinte voriges Jahr bei der Fachtagung „Schluss mit Motorradrasern und Motorradlärm in bayerischen Gemeinden“ in Aying bei München: „Ein kleiner Teil der Motorradfahrer terrorisiert mit seinem Lärm unsere Gäste und die Bevölkerung.“ 

 

Quelle: Merkur