Harley-Davidson streicht hunderte Stellen

Harley-Davidson steckte schon vor Corona in der Krise. Mittlerweile gibt es einen neuen Geschäftsführer, massive Kosteneinsparungen und einen Kredit über 150 Millionen US-Dollar. Im Juli hat der US-Hersteller zudem angekündigt, dass Hunderte Mitarbeiter entlassen werden.

 

Seit fünf Jahren meldet Harley-Davidson sinkende Absatzzahlen, einen sinkenden Umsatz und sinkende Gewinne. Der amerikanische Motorradhersteller kämpft mit einer alternden, extrem konservativen Kundschaft und wenig Erfolg bei jungen Motorradfahrern. Gegensteuern wollte man mit dem bereits 2018 veröffentlichten Zukunftsfahrplan "More Roads to Harley-Davidson". Der sah eine Ausweitung des Modellportfolios auf kleinere Hubraumklassen vor, die besonders im asiatischen Raum gefragt sind, mehr Elektrobikes – vom E-Fahrrad bis zur LiveWire – sowie Modelle für neue Segmente (u.a. Pan America Enduro und Bronx Streetfighter) vor. Die dafür nötigen Investitionen sollten durch umfassende Kostensenkungen und Neuzuweisungen von zuvor geplanten Investitionen und Ressourcen finanziert werden. Dann kam aber der US-Handelsstreit mit der EU, der den Absatz aber auch die Bilanz von Harley zusätzlich belastete. Um die Zollschranken zu umgehen plante Harley die Teilverlagerung der Produktion. Dabei rückte Thailand in den Fokus.

 

Harley kündigt mehreren hundert Mitarbeitern

Im Juli 2020 hat Harley-Davidson bekannt gegeben, dass die Restrukturierungmaßnahmen das Unternehmens im zweiten Quartal etwa 42 Millionen US-Dollar gekostet haben. Zudem hat Harley bestätigt, dass aufgrund dieser Maßnahmen Hunderte Mitarbeiter entlassen werden müssen. Auch der Chief Financial Officer (CFO) John Olin muss nach 17 Jahren Unternehmensangehörigkeit seinen Hut nehmen. Insgesamt sollen bis zum Ende des Jahres 500 Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausschneiden. Laut Harley-CEO Jochen Zeitz könne das Unternehmen dank der neuen und optimierten Struktur weltweit auf circa 700 Mitarbeiter verzichten.

Bereits im Frühjahr gab es bei Harley einige Entscheidungen um Kosten einzusparen. Mit Jochen Zeitz hatte zuletzt ein neuer CEO die Geschicke des Unternehmens übernommen. Harley hat zudem angekündigt, dass im Laufe des Monats weitere Details über die Restrukturierung des Unternehmens bekannt gegeben werden sollen.

 

Jochen Zeitz ist neuer Harley-CEO

Ende Februar 2020 musste der langjährige Harley-Davidson-Boss Matt Levatich seinen Hut nehmen. Angeblich hatte ein Großaktionär dabei im Hintergrund die Fäden gezogen. Aktuelle Bilanzen zeigen, dass die Amerikaner mittlerweile mehr Geld mit Finanzierungsgeschäft verdienen, als mit dem Verkauf von Motorrädern. Und dann kam die Corona-Krise.

Harley-CEO Jochen Zeitz kündigte Maßnahmen zur Kostensenkung an, um die Auswirkungen der Produktionsstopps abzufedern. Die Ankündigung folgte auf die Entscheidung des Unternehmens, die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr zurückzuziehen. Finanzanalysten erwarten, dass die Harley-Verkäufe in diesem Jahr um 25 Prozent sinken werden. Laut Zeitz sollten bei den Führungskräften die Gehälter um 30 Prozent gekürzt werden (Levatich hatte im Vorjahr angeblich elf Millionen Dollar verdient), alle anderen Verwaltungsmitarbeiter in den USA soltlen angeblich auf zehn bis 20 Prozent ihrer Bezüge verzichten. Die Mehrheit der weltweiten Produktionsmitarbeiter wurde im Frühjahr vorübergehend entlassen, wobei die Kosten für die Gesundheitsversorgung weiter bezahlt wurden. Auch alle Lohnerhöhungen für 2020 wurden gestrichen. Zudem wollen er als CEO sowie der gesamte Verwaltungsrat von Harley-Davidson im laufenden Jahr auf Bonuszahlungen verzichten. Kritiker halten entgegen, dass dieser Verzicht leicht fallen dürfte, da bei der aktuellen Geschäftsentwicklung sowieso keine Bonuszahlungen zu erwarten seien. Zudem verhängte Harley einen Einstellungsstopp. Auch für alle anderen Standorte außerhalb der USA folgten ähnliche Kostensenkungsmaßnahmen. Zunächst waren alle genannten Maßnahmen bis zum Ende des zweiten Quartals befristet. Nachdem die Lage im Juli dann neu bewertet, entschied sich der Hersteller wie oben beschrieben, Hunderte Mitarbeiter zu entlassen.

 

 

Quelle: www.motorradonline.de